14.1 Herren Weltmeisterschaft in East Brunswick/New Jersey

Vom 25.08. bis 30.08.2008 fanden die diesjährigen Herren Weltmeisterschaften in der historisch wertvollsten Disziplin dem 14.1e im, nur einen Steinwurf von New York City entfernten, East Brunswick Hilton statt. Aufgrund der ausgezeichneten Ergebnisse der letzten beiden 14.1 Weltmeisterschaften (5. und 9. Platz) wurde Jasmin Ouschan als Nr. 9 gesetzt (aufgrund des Faktums, dass in dieser Disziplin keine Weltmeisterschaft für Damen zur Austragung gelangen ist es, dem Gleichbehandlungsgrundsatz folgend, auch Frauen gestattet sich für diese Weltmeisterschaften zu qualifizieren).

Das Turnier der 64 besten nominierten 14.1 Spieler der Welt, wurde in den Vorrunden im Round-Robin Format ausgespielt (Acht 8er Gruppen) wobei die besten 4 in die Zwischenrunde aufstiegen (Ausspielziel 100Punkt). Die letzten 32 Sportler ermittelten die Achtelfinale im Double KO Format. Ab dem Achtelfinale wurde der Weltmeister(in) im KO ermittelt.   

Die als Nummer 9 gesetzte Kärntnerin wurde in Gruppe 8 gelost und durfte gleich in Auftaktmatch gegen „den“ amerikanischen Billardsportler der letzten Jahre Johnny Archer an den Tisch.

"Das ist wohl eine Traumauslosung gegen Jonny Archer gleich das Eröffnungsmatch bestreiten zu dürfen. Natürlich bin ich krasser Außenseiter, aber gerade das reizt und fordert mich und ich freu mich schon richtig auf dieses Aufeinandertreffen.“

Ouschan eröffnete das Match und führte nach der dritten Aufnahme mit 32:26. Nach einem Breakfehler und einem offenen Tisch zeigt Archer seine Titelambitionen in dem er mit einer 72er Serie nahezu das Match vorzeitig beendete. Ein Safe forderte Ouschan einen schwierigen Ball zu riskieren, welcher misslang und Archer das Match beenden ließ.

Das zweite Match des Tages gegen den Californischen Qualifikanten Calvin Coker war zu Beginn geprägt von einem Sicherheitenschlagabtausch. Ouschan konnte zwar mit 22 Bällen vorlegen doch versenke leider beim Breakshot den Spielball. Coker konterte umgehend mit einer 57er Serie und nahm somit Ouschan den Rhythmus. Ein abermaliger Breakfehler brachte den Amerikaner wieder zum Tisch der sofort seine erste Chance nutze und mit einer 44er Serie das Match für sich entschied.

„Nach dem ersten Spieltag mit zwei Niederlagen dazustehen habe ich nicht erwartet doch beide Gegner haben sehr stark agiert und mit dementsprechenden Serien die Matches klar gewonnen. Viele Fehler habe ich nicht gemacht doch bei diesem Niveau wird jeder kleiner Fehler gleich bestraft. Noch ist nicht alles vorbei und es gilt jetzt alle Energien auf die weiteren Matches zu legen um den Aufstieg dennoch noch zu schaffen.“

Der zweite Spieltag begann mit dem Match gegen den Pan-Amerika Meister Tony Rolon aus Puerto Rico und verlief leider ähnlich wie der Vortag endete. Trotz einer Leistungssteigerung von Ouschan reichte es nicht für einen Sieg und die Österreicherin unterlag denkbar knapp mit 97:100. Im zweiten Match des Tages gegen den Amerikaner Steve Lillis konnte Ouschan aber das Tempo erhöhen und sicher mit 100:73 als Siegerin den Tisch verlassen.

Im Abendmatch gegen den starken Polen Radoslaw Babica ließ Ouschan dann erstmals ihr können aufblitzen und überzeugte eindrucksvoll mit der ihrer Tageshöchstserie von 90 Bällen die Zuschauer und auch sich selbst. Der Pole versuchte zwar noch mit einer hohen Serie zu kontern, doch die routinierte Klagenfurterin ließ sich davon nicht beeindrucken und holte sich mit 100:81 den verdienten Sieg. Nebenbei verbesserte Ouschan damit auch ihre vor zwei Jahren aufgestellte Weltrekordhöchstserie bei Weltmeisterschaften für Damen von 84 auf 90 Bälle.

"So hätte ich mir eigentlich auch den gestrigen Tag vorgestellt, denn mit dieser Leistung kann ich zufrieden sein. Morgen habe ich noch zwei ganz harte Matches, wenn ich diese allerdings gewinne und die anderen Partien nicht gegen mich laufen ist sogar noch ein Aufstieg in die Runde der letzten 32 möglich."

Im ersten Match am Entscheidungstag um den Aufstieg unter die letzten 32 Sportler konnte Ouschan gegen den Amerikaner Steve Lipsky trotz einer 40er Serie zu Beginn das Match nicht für sich entscheiden und unterlag in 5 Aufnahmen knapp mit 79:100. Aufgrund des Zwischenstandes von 4 Niederlage zu zwei Siegen in den 7 Gruppenmatches konnte man eigentlich davon ausgehen, dass das letzte Match gegen den Holländer Mohammed Hakin (seines Zeichen vor dem Start der Billardkarriere 7-facher Weltmeister im Tae Kwon Do) keine Relevanz für den Gruppenaufstieg mehr hat. Doch aufgrund der ungewöhnlichen Konstellation innerhalb der Gruppe hatte Ouschan bei einem Sieg noch die Chance auf den rettenden 4.Platz. Das Match stand von Beginn an auf Messers Schneide und die Führung wechselte nahezu nach jeder Aufnahme. Bei Stand von 75:81 fasste sich Ouschan ein Herz und riskierte einen sehr schwierigen Stoss der aufging. Gepuscht von diesem Stoß ließ die routinierte Österreicherin den Holländer nicht mehr an den Tisch und siegte mit 100:81. Da bei Gleichstand an gewonnenen Matches die Anzahl der versenkten Bälle aus allen Matches zählt konnte sich Ouschan mit einem um lächerlichen 6 Bällen besseren Score in die Finalrunde "schwindeln".

"Eigentlich hat sich ja meine Gesamtperformance aufgrund des schwachen ersten Tages einen Aufstieg nicht wirklich verdient, aber dennoch bin ich froh, dass das Glück nun einmal auf meine Seite war. Morgen geht es gegen Mika Imonnen der in den Vorrunden die besten Scores erzielt hat und hier bin ich krasse Außenseiterin. Vielleicht kommt mir aber nochmals eine hohe Serie aus aber ehrlich gesagt bin ich mit dem Einzug in die Finalrunde schon zufrieden und die Formkurve zeigt nun wieder ein wenig mehr nach oben."

Im Match gegen den finnischen Mitfavoriten war Ouschan zwar noch chancenlos und unterlag mit 150:56 ehe sie aber im zweiten Match gegen den Amerikaner Bob Maidhof abermals ihre Klasse aufblitzen lassen konnte und den Routinier klar mit 150:47 besiegte. Im dritten Match des Tages gegen den Polen Radislav Babica lief Ouschan dann zur Höchstform auf, spielt Pool Billard auf Weltniveau, und vernichtete den Polen mit der frenetischer Unterstützung des Publikums mit 150:10.

"Das war schon ein wirklicher sehr guter Tag und vor allem habe ich diesmal in zwei Matches hintereinander mein Leistungsniveau abrufen können. Aufgrund meiner derzeitigen Form überrascht mich diese Leistung sogar und ich bin richtig froh wieder einmal ein Erfolgsfeedback zu bekommen. Wenn ich diese Form weiter aufrecht erhalten kann, kann ich zwar jeden schlagen, aber jetzt bin zuerst einmal froh über den Einzug ins Achtelfinale und alles was morgen noch passiert ist eine Draufgabe für mich."

Im Achtelfinale kam es zur Neuauflage mit dem in den USA lebenden Finnen Mika Immonen. Immonen, im gesamten Turnier noch unbesiegt und mit der absolut besten Matchstatistik, besiegte die Kärntnerin in der ersten Finalrunde klar. Bei der Neuauflage dieses Matches war Ouschan wieder krasse Außenseiterin, doch konnte fulminant beginnen. Mit zwei hohen Serien übernahm sie sofort die Führung und lag sogar mit 101:10 in Front und legte somit dem Finnen jede Menge Druck auf. Der in den USA als "Iceman" bekannte Finne konnte sich aber erfolgreich aus der Umklammerung befreien und glich beim Stand von 166:166 aus und brachte Ouschan so unter Druck. Ouschan, für ihre kämpferischen Qualitäten im Wettkampf bekannt, ließ sich nicht aus der Reserve holen und "servierte" nach einigen Safestössen souverän zum 200:174 aus und warf somit den heißesten Turnierfavoriten aus dem Bewerb.

"Ein unglaubliches Match und zum Glück haben die Nerven nach 3h höchster Konzentration gehalten als darauf ankam. Immonen galt nach den Vorrunden als "der" Favorit, aber genau das habe ich ausnützen können und mit meinem starken Beginn ihm richtig unter Druck setzen können. Nachdem er dann aufgeholt hat und mein Vorsprung immer kleiner wurde stand das Match auf Messers Schneide, aber diesmal war ich die "Icewoman" und habe den Sack rechtzeitig zu machen können."

Nach einer 2-stündigen Erholungspause stand das Viertelfinale an. Dort traf Ouschan auf niemand geringeren als den amtierenden Weltmeister in dieser Disziplin Oliver Ortmann aus Deutschland. Mit einer veränderten und eher defensiv ausgerichteten Taktik gegenüber dem vorangegangenen Match konnte Ouschan dem Weltmeister großteils den Wind aus den Segeln nehmen. Von Beginn an in Führung liegend konnte Ouschan vor allem in der zweiten Hälfte die Führung sukzessive ausbauen um schlussendlich überraschend, allerdings mit Standing Ovations vom großteils amerikanischen Publikum gewürdigt, mit 200:133 als Siegerin den Tisch zu verlassen.

"Gegen einen Sportler wie Ortmann ist man in dieser Disziplin immer Aussenseiter. Aber ich habe mich an diese Rolle schon gewöhnt und schaffte es den Deutschen einfach nie richtig in Fahrt kommen zu lassen. Ich habe Bälle nicht riskiert die ich normalerweise schon versuchen würde um ihm so nicht die Chance zu geben in den Rhythmus zu kommen und es hat ganz gut funktioniert. Natürlich hat durch diese Taktik auch mein Rhythmus gelitten und es war sicher nicht das rasanteste Match des Tages, aber ich habe somit das Ganze sehr gut kontrollieren können ohne zuviel unnötiges Risiko zu nehmen. Nach zwei 3h Matches heute bin ich jetzt dementsprechend ausgepowert aber überglücklich dies als erste Frau geschafft zu haben und meinen eigenen Rekord aus 2006 (damals sensationeller 5. Platz) noch einmal getoppt zu haben. Ich freue mich auch, dass in Europa so viele Fans von mir bis in die Morgenstunden aufgeblieben sind um mitzufiebern wie die Zugriffsstatistik und auch die zahlreichen Gratulationen zeigen. Eine amerikanische Zeitung wird in der morgigen Ausgabe diesen Tag als "Sportgeschichte" beschreiben und ich hoffe natürlich vielleicht sogar noch etwas drauflegen zu können als den sicheren 3. Endrang."

In diesem, für die Billardwelt und den Frauenbillardsport historischen Halbfinale, traf die Österreicherin auf die Philippinische Billardlegende Francisco Bustamante. Ouschan startete abermals stark und konnte, wie schon im Match gegen den Weltmeister Ortmann, sich einen Vorsprung erarbeiten. Beim Stand von 123:62 für die Kärntnerin unterlief ihr aber ein schwerwiegender Breakfehler der die Philippinische Legende die Möglichkeit eröffnete sich ins Match zurückzuspielen. Zuerst reichten ihm zwei durchschnittliche Serien um den Gleichstand herzustellen. Nach einem Safefehler von Ouschan riskierte der sich sichtlich im Lauf befindliche Philippine einen höchst riskanten Einstiegsball um gestärkt daraus eine 71er Serie anzuschließen. Ein Flüchtigkeitsfehler kurz vor dem Ende ließ Ouschan zwar noch mal zum Tisch, doch mehr als zu einer Ergebniskorrektur auf 143 reichte es leider nicht mehr (Endstand 143:200).

 

"Ja schade dass er in Mitte des Matches so einen Lauf bekommen hat und in 4 Aufnahmen von 62 auf 200 gestellt hat, aber sein Sieg geht dennoch vollkommen in Ordnung. Er hat bei manchen Bällen volles Risiko genommen und ist dafür belohnt worden. Wenn ich rückblickend das Turnier betrachte so bin ich mit meiner Leistung natürlich sehr zufrieden, insbesondere weil es ja zu Beginn nicht wirklich "rund" gelaufen ist und ich mich dann steigern konnte und mein Leistungsvermögen abrufen habe können. Wichtig ist auch für mich das Ergebnisfeedback bekommen zu haben, dass wenn ich mein Leistungsvermögen abrufen kann wirklich jede(n) weltweit schlagen kann. Mein Trainer und ich haben vor ein paar Jahren uns zum Fernziel, oder besser gesagt eher als Vision/Mission, eine Medaille bei einer Herrenweltmeisterschaft gesetzt, sind dafür dementsprechend belächelt worden, und das dies jetzt schon, oder gerade jetzt, aufgeht, belohnt uns für unsere jahrelange teils entbehrsame, aber auf alle Fälle neuartige Art und Weise wie wir unseren Sport leben. Das gibt uns beiden sehr viel an Motivation in der Zukunft den Weg weiter so zu gehen. Jetzt bin ich auf alle Fälle vom Turnier dem Jetlag usw. ziemlich ausgepowert und freue mich, dass wir in der nächsten Woche ein paar freie Tage haben um uns die Viertelfinale bei den US Open im Tennis hier in New York anzusehen."

 

Endergebnis:

 

 

Ranking 1. Platz Niels Feijen (NED)
  2. Platz Francisco Bustamante (PHI)
  3. Plätze Jasmin Ouschan (AUT)
    Nick van den Berg (NED)

 

Alle Fotos im Eigentum von Michael Neumann / www.jasmin-ouschan.com