In diesem Jahr war die Europameisterschaft ein besonderer Event. Man ermittelte hier nicht nur die neuen Europameister, sondern feierte auch 30 Jahre EPBF (European Pocket Billiard Federation). Zu diesem Jubiläum war es das erste Mal das sich alle Leistungsklassen (Schüler, Junioren, Mädchen, Damen, Herren, Senioren, Ladies und Rollstuhl) bei einer einzigen EM trafen. All dies fand in Willingen, einer kleinen Stadt in Deutschland, das für das jährliche Skispringen bekannt ist, statt. Im großen Sauerland Stern Hotel, das über einige große Eventhallen verfügt wurden 52 Billardtische aufgestellt. Mit ebenfalls so vielen Laptops, Flachbildschirmen und Liveübertragungen im Internet zeigte man sich auch technisch am Puls der Zeit.
Auch bei dieser Europameisterschaft wurde Jasmin Ouschan als die Topfavouritin in allen 3 Disziplinen gehandelt.
"Ich kenne diese Situation natürlich schon als Favoritin für drei Goldmedaillen gehandelt zu werden. Im Vorjahr habe ich eigentlich über den langen Zeitraum gut gespielt und es hat dennoch "nur" für zwei Bronzene und einen Titel gereicht. Obwohl ich sicherlich ein wenig gehandicapt bin aufgrund des Jetlags und dem nicht ganz zufrieden stellenden Ergebnisses bei den US-Open, zwar gegen die spätere Siegerin in der Vorrunde gewonnen dann aber im Achtelfinale klar verloren, gehe ich zuversichtlich in dieses Turnier. Ich habe mich sehr intensiv konditionell auf dieses lange Turnier vorbereitet und möchte versuchen meine Kräfte ökonomisch über den Zeitraum einzuteilen, damit ich dann wenn es darauf ankommt die Leistung abrufen kann. An Medaillen denke ich jetzt noch nicht, oder versuche es zumindest, obwohl mein Ziel erstmalig alle drei Titel auf einmal nach Österreich zu holen, ist natürlich wie jedes Jahr gegenwärtig" analysiert Ouschan die Ausgangssituation.
14/1 Bewerb
In der ersten Disziplin, dem 14/1 endlos hatte Ouschan aufgrund der Goldmedaille im Jahr davor in der ersten Runde ein Freilos. In der zweiten Runde traf Ouschan mit ihrer Landsfrau Sandra Baumgartner auf eine alte Bekannte, die früher einmal sogar im selben Verein spielte. Ouschan fühlte sich schnell wohl am Tisch und agierte sicher. Ohne Probleme gewann sie das Match mit 75:22. Am nächsten Spieltag spielte Ouschan gegen die Türkin Neslihan Gurel. Obwohl sich Ouschan gut auf den Tisch einstellen konnte war das Match von vielen Fehlern geprägt. Ouschan konnte ihr wahres Können nicht ausspielen, ließ aber dennoch nichts anbrennen und gewann souverän mit 75:39.
„Mit dem Einstieg in dieses Turnier bin ich schon einmal zufrieden. Gegen eine Landsfrau zu spielen ist immer eine besondere Situation die man nicht unterschätzen darf. Jedoch denke ich habe ich es gut gemeistert. Im zweiten Match das sehr früh gespielt worden ist habe ich schon noch meinen Jetlag von den US Open gespürt, aber dies soll keine Ausrede sein. Ich habe das gespielt was nötig war und deshalb bin ich zufrieden.“
Mit dem Sieg gegen die Türkin stand Ouschan im Achtelfinale gegen die 8er Ball Europameisterin von 2007, Diana Stateczny aus Deutschland. Stateczny begann hoch motiviert das Match und sorgte gleich für einen kleinen Vorsprung. Doch Ouschan nutzte sofort die erste sich bietende Chance um mit einer Serie von 63 Bällen die Führung zu übernehmen. Die Deutsche hatte nichts mehr entgegenzusetzen und musste sich dann mit einem klaren 75:23 geschlagen geben.
"Nach dem noch etwas holprigen Start heute in der Früh konnte ich mein Level erstmalig richtig abrufen und dann wird es für jeden Gegner/in schwierig. Dennoch morgen wird es hart, denn wenn ich gewinnen will muss ich es schaffen in allen drei möglichen Matches diesen Level abzurufen und dies ist mir ja in der Vergangenheit nicht immer gelungen. Dennoch bin sehr zuversichtlich und möchte unbedingt meinen Titel hier verteidigen."
Noch bevor Jasmin Ouschan im 14/1 Viertelfinale an den Start durfte, musste sie die ersten Runden in der Disziplin 8er Ball absolvieren. Im ersten 8er Ball Match traf Ouschan auf die Polnische Medaillenhoffung Karolina Stawarz. Ouschan fand jedoch sofort in ihren Rhythmus und sorgte mit einer fast fehlerfreien Performance für einen klaren 6:1 Sieg. Im zweiten Match musste Ouschan gegen die Griechin Athanasiou an den Tisch. Auch hier ließ die Österreicherin nichts anbrennen und ging ebenfalls mit 6:1 als Siegerin vom Tisch.
„Wenn man zwischen zwei Disziplinen hin und her switchen muss kann das oft zu Problemen führen, da es ja doch zwei unterschiedliche Spielarten sind. Jedoch war das bei mir heute nicht der Fall. Ich fühlte mich sehr wohl und konnte mein Können auch auf den Tisch bringen was mich sehr glücklich stimmt.“
Im 14/1 Viertelfinale spielte die Titelverteidigerin gegen die Holländerin Kynthia Orfanidis. Auch hier dominierte eine konzentrierte Jasmin Ouschan und mit einem 75:20 Score ebnete sie sich den Weg ins Halbfinale. Dort angekommen traf Ouschan auf Line Kjörsvik aus Norwegen. In den letzten paar Aufeinandertreffen konnte Ouschan leider nicht so oft als Sieger den Tisch verlassen und somit war es klar, dass es auch dieses Mal wieder spannend werden würde. Das Match ging ständig hin und her und beide Sportlerinnen verbuchte unnötige Fehler. Jedoch schaffte es die Norwegerin ihren Rhythmus zu finden um schlussendlich den Traum von der 4ten 14/1 Goldmedaille für Ouschan zu vernichten. Mit einem Score von 55:75 musste sich die Titelverteidigerin geschlagen geben.
"Ich bin schon sehr enttäuscht, dass ich dieses Match verloren habe. Als Europarekord und Weltrekordhalterin in dieser Disziplin kann ich einfach mit dem 3. Platz nicht zufrieden sein. Es war das erste schwächere Match von mir in diesem Turnier und dann wird man gleich so hart dafür bestraft. Aber so ist es im Sport und es passt leider ein wenig in die ohnehin etwas verkorkste Saison von mir. Dennoch es stehen noch zwei Bewerbe aus und ich hoffe, dass ich dies wegstecken kann um wenigsten in den anderen Disziplinen meine Ziele zu erreichen“.
Damen 1. Platz Charlotte Sörensen (DEN)
Herren 1. Platz Ivica Putnik (CRO) 2. Platz Line Kjörsvik (NOR) 2. Platz Ralf Souquet (GER) 3. Platz Jasmin Ouschan (AUT) 3. Platz Andreas Rosckkowsky (GER) Olga Levina (RUS) Veger Christiansen (NOR)
8er Ball Bewerb
Nachdem die Frustration über die Bronzemedaille ein bisschen verdauert war ging es weiter im 8-Ball Bewerb. Dort traf Ouschan in der dritten Runde auf Tina Vogelmann aus Deutschland. Offensichtlich brachte sie das verlorene Match im 14/1 nicht aus dem Rhythmus und somit sorgte sie mit einer glanzvollen Leistung wieder für einen 6:0 Sieg. Im Match um den Einzug ins Viertelfinale traf Ouschan auf die amtierende 9-Ball Europameisterin aus der Türkei, Eylul Kibaroglu. Ouschan schien wie in einem 8er Ball Flow zu sein und rollte mit 6:2 auch über die Türkin hinweg.
Wie zuvor im 14/1 fing man auch hier wieder mit der Disziplin 9er Ball an. Hier traf Ouschan auf die stärkste im holländischen Team Tamara Rademakers. Jasmin Ouschan kontrollierte das Match vom ersten Ball an und ließ ihrer Gegnerin kaum Luft zum atmen. Auch hier hieß es nach kurzer Zeit 7:1 für Ouschan.
Im 8-Ball Viertelfinale spielte Ouschan gegen Tamara Rademakers Schwester Melissa. In diesem Match kann es zu einem persönlichen Rekord für Jasmin Ouschan. Das erste Game dauerte aufgrund von Safe Situationen unglaubliche 40 min. Doch trotz dieses Nervenaufreibenden aber auch lustigen ersten Game ließ sich Ouschan nicht aus der Ruhe bringen und zog mit einem 6:2 Sieg ins Halbfinale ein.
„Bisher bin ich mit meinem 8-Ball Spiel sehr zufrieden. Ich konnte immer von Anfang mein Spiel spielen und setzte somit meine Gegnerinnen unter Druck. Auch einen neuen Rekord kann ich jetzt auf meiner Liste hinzufügen. Es war schon unglaublich wie lange man an einem Game spielen kann. Zum Schluss mussten wir beide schon lachen aber zum Glück hat mich das nicht zu sehr beeinflusst. Jetzt muss ich meine Energien für das Halbfinale und hoffentlich Finale sammeln.“
Im 8-Ball Halbfinale musste Ouschan gegen Janine Schwan, einer alten Bekannten aus Jugendjahren, an den Tisch. Dieses Match verlief etwas anders als die vorherigen. Beide schienen etwas aus dem Rhythmus und verbuchten untypische Fehler. Obwohl Ouschan schon sichtlich genervt von der schlechten Performance war, konnte sie noch die letzten Energiereserven herausholen und erleichtert mit 6:3 als Sieger vom Tisch gehen.
Im Finale stand ihr wieder die Norwegerin Line Kjörsvik gegenüber. Doch dieses Mal drehte Ouschan den Spieß um und ließ die Skandinavierin kaum an den Tisch. Die perfekt eingestellte Österreicherin zeigte 8-Ball auf höchstem Niveau und ließ sich auch von taktischen Raffinessen nicht beeinflussen. Mit einem 7:2 Score holte sich Ouschan die Goldmedaille in der Disziplin 8er Ball.
"Endlich - endlich habe ich auch die Negativserie gegen meine Trainingspartnerin durchbrechen können und auch gegen sie mein Leistungspotential abrufen können. Wenn man die Vorrundenergebnisse ansieht, war ich klare Favoritin und habe dies nun auch mit einem sehr guten
Finalmatch bewiesen. Ich freue mich sehr diesen Titel geholt zu haben und werde jetzt alles daran legen auch im noch ausstehenden 9 Ball Bewerb mein Bestes zu geben. Vielleicht ist nun der Knoten geplatzt, den ich seit der Weltmeisterschaft mit mir herumtrage.“
Damen 1. Platz Jasmin Ouschan (AUT) Herren 1. Platz Marcus Chamat (SWE) Rollstuhl 1. Platz Karl Read (GBR) 2. Platz Line Kjörsvik (NOR) 2. Platz Zoran Svilar (SRB) 2. Platz Henrik Larsson (SWE) 3. Platz Janine Schwan (GER) 3. Platz Thorsten Hohmann (GER) 3. Platz Jouni Thati (FIN) Amalia Matas (ESP) Robert Sudic (CRO) Tankred Volkmer (GER)
9er Ball Bewerb
Nach dem Erfolg im 8-Ball ging es in der Disziplin 9-Ball in der dritten Runde weiter. Dort traf die frisch gebackene Europameisterin erneut auf Diana Stateczny aus Deutschland. Im gleichen Stil wie im 8-Ball Aufeinandertreffen spielte sich Jasmin Ouschan fehlerlos und souverän durch die Dreiecke. Auch dieses Mal hatte die Deutsche keine Antwort auf das druckvolle Spiel. Mit einem klaren 7:1 Score katapultierte sie die Deutsche in die Hoffnungsrunde.
Aufgrund des souveränen Einzugs in das Achtelfinale sicherte sich Ouschan einen spielfreien Tag.
„Dieser Tag tut echt gut. Der bisherig 8 Tage dauernde Wettkampf macht sich schon bemerkbar und für die kommenden Tage wird es wichtig sein sich so gut wie möglich zu regenerieren.“
Nach der Regeneration musste Ouschan gegen die neue 14.1 Europameisterin Charlotte Sörensen aus Dänemark an den Tisch. Eigentlich war von einem offenen Match auszugehen mit Vorteilen für die Kärntnerin, doch Ouschan machte vom ersten Ball an Druck und ließ die Dänin überhaupt nicht ins Spiel kommen. Mit einem eindeutigen 7:2 Erfolg sicherte Ouschan ihr Ticket für das Viertelfinale.
Dort traf Ouschan auf die Finnische Hoffnung und Newcomerin Marika Poikkijoki. Doch auch hier ließ Ouschan ihrer Gegnerin nur sehr wenig Tischzeiten zu und fertigte die Finnin ebenfalls mit 7:2 ab.
Im Halbfinale traf Ouschan nun ein wenig überraschend auf die 16fache Schweizer Meisterin Sabina Dederding die die zu favorisierende Line Kjörsvik mit 7:5 niederringen konnte.
"Der heutige Spieltag war in Ordnung und ich habe durchwegs ganz gut spielen können obwohl ich schon froh bin, dass morgen der letzte Spieltag ist. Die mentalen Kräfte schwinden schön langsam denn so viele Matches wie ich hat hier noch keine Konkurrentin bestritten." Auf den morgigen letzten und entscheidenden Spieltag angesprochen meint Ouschan:" Einerseits ist es natürlich schade, dass meine norwegische Trainingspartnerin verloren hat, weil wir liefern uns immer sehr harte Gefechte andererseits schätz ich meine Gewinnchancen gegen die Schweizerin deutlich höher ein und ich will in dieser Disziplin unbedingt Gold holen. Sollte ich ins Finale kommen ist es mir eigentlich egal ob ich auf die Holländerin Estelle Bijnen oder auf die gefährliche Spanierin Amalia Matas treffe - für den Titel musst du alle schlagen können!"
Im Halbfinale gegen die routinierte Schweizerin schien Ouschan ihren starken Rhythmus von den Vortagen verloren zu haben. Die Österreicherin agierte sichtlich unsicher und verbuchte untypische Fehler. Zu Beginn konnte auch Dederding keinen Vorteil daraus schlagen. Obwohl Ouschan sich einen 4:1 Vorsprung erspielte, half dies nicht ihren Rhythmus zu finden. Die Schweizerin fing an den Spieß umzudrehen und Ouschan fand sich plötzlich in der anderen Rolle wieder. Sie konnte die Performance von den letzten Tagen nicht aufrechterhalten und musste sich schweres Herzens mit 7:5 geschlagen geben.
"Leider ein wirklich schwaches Match von mir und ich habe es einfach nicht geschafft die Konzentration aufrecht zu erhalten. Nach gutem Beginn habe ich sogar mit 4:1 geführt und eine 100% Chance auf das 5:1 ausgelassen und ab diesem Moment ist das Match gekippt. Ich habe zwar von den drei möglichen Medaillen alle drei gemacht, dennoch ist die "Farbe" die falsche und somit habe ich meine Ziele hier nicht ganz erreicht.“
Damen 1. Platz Sabina Dederding (SUI) Herren 1. Platz Stephan Cohen (FRA) Rollstuhl 1. Platz Jouni Thati (FIN) 2. Platz Estelle Bijnen (NED) 2. Platz Zoran Svilar (SRB) 2. Platz Emil Schranz (AUT) 3. Platz Jasmin Ouschan (AUT) 3.Platz Bruno Muratore (ITA) 3. Platz Matt Duffy (GBR) Amalia Matas (ESP) Imran Majid (GBR) Matej Brajkovic (SLO)
Spielergebnisse:
14/1 Bewerb Ergebnisse:
Jasmin Ouschan
vs.
Sandra Baumgartner (AUT)
75:22
Jasmin Ouschan
vs.
Neslihan Gurel (TUR)
75:39
Jasmin Ouschan
vs.
Diana Stateczny (GER)
75:23
Jasmin Ouschan
vs.
Kynthia Orfanidis (NED)
75:20
Jasmin Ouschan
vs.
Line Kjörsvik (NOR)
55:75
8er Ball Bewerb Ergebnisse:
Jasmin Ouschan
vs.
Karolina Stawarz (POL)
6:1
Jasmin Ouschan
vs.
Athanasiou (GRE)
6:1
Jasmin Ouschan
vs.
Eylul Kibaroglu (TUR)
6:1
Jasmin Ouschan
vs.
Melissa Rademakers (NED)
6:2
Jasmin Ouschan
vs.
Janine Schwan (GER)
6:3
Jasmin Ouschan
Vs.
Line Kjörsvik (NOR)
7:2
9er Ball Bewerb Ergebnisse:
Jasmin Ouschan
vs.
Tamara Rademakers (NED)
7:1
Jasmin Ouschan
vs.
Diana Stateczny (GER)
7:1
Jasmin Ouschan
vs.
Charlotte Sörensen (DEN)
7:2
Jasmin Ouschan
vs.
Marika Poikkijoki (FIN)
7.2
Jasmin Ouschan
vs.
Sabina Dederding (SUI)
5:7