Die Kärntnerin Jasmin Ouschan war, neben der amtierenden Weltmeisterin Yuan-Chun LIN (TPE) und der asiatischen "Grande Dame" Shin Mei LIU (TPE) die einzige weibliche Teilnehmerin bei diesem Turnier auf den "billardverrückten" Philippinen. Sie stellte sich, nach dem sensationellen Medaillengewinn bei der Herren Weltmeisterschaft im 14.1, abermals einem mit 128 Teilnehmern übermächtig stark besetzten Feld. Die Eröffnungsfeier wurde, dem derzeitigen „Mekka“ des Poolsportes entsprechend, vom Philippinischen Vizepräsidenten Noli de Castro persönlich begleitet. Die riesige TV Arena bot den frenetischen Philippinos genügend Patz und der größte weltweite Sportsender ESPN (Asia Star) und ABS-CBN übertrugen das Event täglich 4h live in 34 (hauptsächlich asiatische) Länder.
Die Disziplin 10-Ball entwickelte sich, ähnlich wie zB der Super-G im alpinen Schisport, aus den bestehenden 3 Disziplinen (8 Ball, 9 Ball und 14.1) und erlangte im Rahmen dieses Turniers die Annerkennung als offizielle Disziplin vom Weltverband (10-Ball ist eine modifizierte Version der Disziplin 9-Ball, welche versucht durch den zusätzlichen Ball das Match zu erschweren und die sich entwickelten defensiven Anstoßstrategien im 9 Ball entgegenzuwirken).
Die Auslosung ergab für Jasmin Ouschan ein höchst ungewöhnliches Los in Runde 1. Sie traf in ihrer 8er Gruppe mit der amtierenden Weltmeisterin Yuan-Chun LIN (TPE) auf eine Frau (die besten 4 Sportler jeder Gruppe, im Doppel KO ermittelt, stiegen in den 64er KO-Finalraster auf). Die weiteren unmittelbaren Gruppengegner waren neben der aktuellen Nummer 2 aus Amerika Corey Deuel und dem in Deutschland lebenden Tschechen Roman Hybler, im unteren Turnierast der Deutsche Thomas Engert, der eher unbekannten Iraner Fahrad Shaverdi sowie dem Amerikaner Oscar Dominguez und der 9 Ball Bronzemedaillengewinner Vilmos Földes aus Ungarn.
"Also hier bei diesem Turnier gegen eine Frau anzutreten, damit habe ich sicher nicht gerechnet. Aber ich freue mich gegen die Weltmeisterin spielen zu können, die sich ja nach ihrem Titelgewinn kaum mehr bei internationalen Turnieren gezeigt hat. Scheinbar haben meine Leistungen den Weltverband restlos überzeugt und er anerkennt die Leistungen mit diesen drei Wildcards für die weiblichen Billardsportler und das ehrt und freut mich besonders. Die Gruppenauslosung ist sicher hart und leider, oder zum Glück, hat aufgrund der Erfolge in den letzten drei Wochen die Vorbereitung für dieses Turnier aufgrund der vielen Verpflichtungen sicherlich gelitten. Nachdem es eine neue Disziplin ist, die ich bislang fast überhaupt nicht trainiert und gespielt habe, lasse ich mich überraschen. Das Ziel von mir und meinem Trainer ist es hier einfach Erfahrungen zu sammeln um dann vielleicht im nächsten Jahr ziel- und Ergebnisorientierter an die Sache heranzugehen."
In diesem prestigeträchtigen Auftaktmatch gegen die amtierende Weltmeisterin im 9 Ball startete Ouschan dominant und konnte sich eine 4:1 Führung erarbeiten. Ungewollt ließ der Druck der Kärntnerin in der Mitte des Matches nach und die Taiwanesin kämpfte sich ins Match zurück. Beim Stand von 6:5 befreite sich Ouschan mit einem sehenswerten Jumpshot aus der drohenden Umklammerung und baute den Vorsprung auf 7:5 aus. LIN konnte zwar noch ein Game gewinnen, doch Ouschan ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und holte sich mit 9:6 den verdienten Sieg.
"Am Anfang und zum Ende habe ich gut gespielt und im Mittelteil gibt es Verbesserungspotential. Im Großen und Ganzen aber ganz in Ordnung für das erste Match insbesondere auch weil wir am Centercourt gespielt haben und das Match in 34 Länder übertragen wurde. Auch wenn die Arena zu Beginn noch nicht voll war, ist es schon ein erhebendes Gefühl zu wissen, daß dieses Match von über 20 Mio. TV Zusehern mitverfolgt wird. Ich hoffe, daß ich die Erfahrungen vom heutigen Tag, insbesondere beim Break, morgen gleich einbauen."
In Runde zwei traf Ouschan dann auf den in der deutschen Bundesliga agierenden Tschechen Roman Hybler, der überraschend die amerikanische Medaillenhoffnung Corey Deuel knapp mit 9:8 besiegen konnte. Leider konnte die Österreicherin in diesem Match nicht an die Leistung des Vortages anschließen und verlor um den direkten Einzug unter die letzten 64 Sportler glatt mit 9:5.
"Ein Match in dem nicht wirklich viel von dem aufgegangen ist was ich mir vorgenommen habe. Hybler hat taktisch sehr gut agiert, mir gekonnt den Wind aus den Segeln genommen und ich glaube über 10 Fouls gemacht zu haben aufgrund des guten Safespiel des Tschechen. Ein paar weitere unforced errors haben dann schlussendlich gereicht. Ich muss nun versuchen bis morgen das Match zu vergessen und mich ganz auf meine zweite Aufstiegschance konzentrieren.“
Im Hoffnungslauf um den Aufstieg traf die Kärntnerin nun auf den Deutschen Topspieler Thomas Engert.
"Ist sicher der schwierigere Gegner um den Aufstieg. Engert ist extrem routiniert und hat heuer auch schon eine Eurotour gewonnen. Genau bei dieser Eurotour habe aber ich ihm in der Vorrunde seine einzige Niederlage zufügen können. Dennoch ist er klarer Favorit, aber in der Außenseiterrolle fühle ich mich nicht unwohl."
Abermals wurde Ouschan die Ehre teil am TV-Tisch ihr Match bestreiten zu dürfen. Engert, bis in die Fingerspitzen motiviert, begann stark holte sich das erste und zweite Game in einer Aufnahme. Ouschan konterte umgehend und holte sich die Games 3 und 4 um auszugleichen. Bis zum Stand von 4:4 schenkten sich beide Akteure nichts. Engert "entzauberte" zwei sehr gute Safes vom Ouschan mit tollen Vorbandestößen, doch Ouschan holte sich eindrucksvoll Game 9 und 10 zur 6:4 Führung. Ab diesen Zeitpunkt spielte Ouschan wie entfesselt, schoß die nächsten 3 Games aus ohne dem Deutschen nochmals zum Tisch zu lassen und holte sich den verdienten 9:4 Sieg.
"Einfach unglaublich gut gespielt und das trotz des schwachen Matches vom Vortag. Ich war schon sehr überrascht wieder am TV Tisch spielen zu können und zu Beginn sogar etwas zu motiviert, weil ich unbedingt zeigen wollte, nach dem ersten noch nicht so überzeugenden Match am TV Tisch, welches Potential in mir steckt. Es war wirklich von beiden Seiten ein gutes Match. Der "impact" hier ist nun wirklich gelungen und aufgrund des fanatischen Publikums hat der Weg ins Hotel nach dem Pressroom über eine Stunden gedauert."
In der ersten Finalrunde (ab nun im Single KO gespielt) traf Ouschan auf den Philippinen Demosthenes Pulpul der, durch den überraschenden Sieg über die Nr.1 von Taiwan, direkt in die Finalrunde eingezogen war.
Das Match, aufgrund des Bekanntheitsgrades von Ouschan in Asien abermals TV Live Match, startete nicht nach den Vorstellungen der Kärntnerin, die zwar das erste Game holte, jedoch sich dann bald mit einem 5:2 Rückstand konfrontiert sah.
Ouschan, die deutlich weniger aggressiv agierte als am Vortag, versuchte über den Kampf wieder zurück ins Match zu finden. In teils ewig andauernden Safesituationen konnte Ouschan sich die entscheidenden Vorteile erkämpfen und auf 6:6 ausgleichen. Eine vergebener Kombinationsstoß im 13. Game von Ouschan sowie eine etwas waghalsige aber gelungene Kombination im 14. Game des Philippinen brachte wieder einen zwei Games Rückstand. Ouschan kämpfte abermals zurück und holte sich die nächsten beiden Games mit sehr starkem Spiel. Im letzten und alles entscheiden Game eröffnete Ouschan das Game und fand nach dem Anstoss einen ohne Schwierigkeiten behafteten Tisch vor. Die Kärntnerin agierte auch fehlerfrei doch 4 Bälle vor dem Ziel unterlief ihr ein folgenschwerer Schussfehler was ihr in Folge das Match kostete.
"Ärgerlicher Fehler zum Schluss! Ich habe nicht zu meinem Spiel gefunden, trotzdem nicht aufgegeben und mich immer wieder zurückgekämpft und nun das Match aufgrund eines unnötigen Fehlers verloren. Das zerrt jetzt schon sehr an meinen Nerven und ich werde wohl ein wenig brauchen bis ich diesen Fehler verarbeitet habe. Alles in allem habe ich mich heute etwas müde gefühlt und das Match nicht so gestalten können wie gestern. Wenn der erste Frust vorbei ist, werde ich dann wohl auch die positiven Aspekte wie die 6h Live TV Coverage von mir in Asien und die Erfahrungen in dieser neuen Disziplin aufnehmen können. Grundsätzlich finde ich diese Disziplin nicht so sehr anderes als das 9 Ball und wenn man sich die Finalmatches angesehen hat entsteht fast der Eindruck, dass wenn man beim Break seinen Spot gefunden hat es fast einfacher ist das Break und insbesondere den ersten Ball zu kontrollieren. Der geteilte 33 Platz ist für mein erstes Antreten bei einem 10 Ball Turnier auch in Ordnung und wenn man bedenkt, dass mein letzter Gegner es noch bis ins Halbfinale geschafft hat kann ich mit dieser Platzierung schon leben."
Ergebnisse:
| Ranking | 1. Platz | Darren Appelton (GBR) |
| 2. Platz | Wu Chia Ching (TPE) | |
| 3. Platz | Niels Feijen (NED) | |
| 4. Platz | Demosthenes Pulpul (PHI) |
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